„Es geht immer noch nachhaltiger“

Wenn bei Leichtathletikwettkämpfen Rekorde gelaufen werden, dann liegt das auch an der Beschaffenheit der Laufbahn. Das Schweizer Unternehmen Conica gehört weltweit zu den Topanbietern von Flooring Solutions – also funktionalen Böden für Sportanlagen und Turnhallen, Industriehallen, Parkhäuser sowie für Wohnungsbau, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Der Herstellung der Böden gehen allerdings energieintensive chemische Prozesse voraus. Wie Conica dennoch beachtliche Erfolge mit Umweltmaßnahmen erzielen konnte, zeigt, dass nicht der Teufel, sondern vor allem die Chancen im Detail stecken. Besonders die enge Zusammenarbeit mit der Schweizer Energieagentur der Wirtschaft (EnAW) zahlt sich beim Senken von Energieverbrauch und -kosten aus.

Die Conica AG wurde 1977 in Schaffhausen gegründet und beschäftigt weltweit rund 180 Mitarbeitende, davon 100 in Schaffhausen. Mit Kunden aus über 70 Ländern sowie Produktions- und Vertriebsstandorten in der Schweiz, Großbritannien, den USA und China hat sich Conica weltweit einen Namen gemacht. Besondere Aufmerksamkeit konnte im letzten Jahr das neue Stadion Vallehermoso in Madrid erzielen, das inklusive Laufbahnen ganz in Grüntönen gestaltet wurde.

Langlebige Produkte als Kernziel der Nachhaltigkeit

Aber grün ist bei Conica nicht nur eine beliebte Farbe, sondern eine Grundhaltung. Die Herausforderung besteht für das Unternehmen, dessen chemischen Arbeitsvorgänge per se energieintensiv sind, diese bewusst in Frage zu stellen und dadurch die Energieeffizienz zu steigern. Gleichzeitig darf darunter nicht die Qualität der Laufbahnen und Böden leiden.

Ein weiterer Punkt in der DNA von Conica stellt das Ziel dar, sehr langlebige Produkte herzustellen, denn nichts ist nachhaltiger als Produkte von langer Lebensdauer, die ihre Qualität nicht verlieren. Julio Fadel, Head of Marketing & Communication bei Conica: „Es ist bei uns nicht anders als zum Beispiel mit guten Schuhen. Es gibt einige Marken, die etwas teurer sind, dafür aber sehr lange halten. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet zahlt sich eine höhere Anfangsinvestition aus, macht die Kunden zufriedener und hilft in besonderem Maße der Umwelt.“

Mit starkem Partner mehr Energieeffizienz erzielen

Um die Nachhaltigkeit zu verbessern, wollte Conica nicht im eigenen Denken verharren, sondern hat sich bereits 2017 mit der EnAW zusammengetan. Die Energieagentur wurde 1999 von Schweizer Spitzenverbänden der Wirtschaft gegründet, um Unternehmen und Organisationen dabei zu helfen, ihre Energiebilanz zu optimieren. Das Energie-Management-System der EnAW setzt auf klar definierte Zielvereinbarungen und Maßnahmen, die im Unternehmen entschieden und umgesetzt sowie durch der EnAW einem Monitoring unterworfen werden.

Stromverbrauch um 20 Prozent gesenkt

„Die chemische Industrie verbraucht viel Energie“, unterstreicht André Heppa, Conica-Werksleiter in Schaffhausen. „Wir benötigen für chemische Reaktionen vor allem thermische und elektrische Energie.“ Um bei der Produktion zur Herstellung der verschiedenen Böden Energie einzusparen, hat das Unternehmen seine Rezepturen angepasst. Gewisse Produkte benötigen bei der Herstellung eine Prozesswärme von 70 Grad. Diese wurde schrittweise auf 50 Grad gesenkt. Allein diese Maßnahme spart jährlich Energie im Wert von rund 23.000 Franken ein.

Darüber hinaus wurden Heizleitungen und Lagerhäuser besser isoliert und Optimierungen an den Belüftungen vorgenommen. Auch die Umstellung der Heizung von Öl auf Gas hat bedeutende Einsparungen mit sich gebracht. Insgesamt konnte das Unternehmen 2017/18 32 Prozent Gas und 12 Prozent Strom einsparen. Und der Stromverbrauch pro produzierte Tonne Material hat um rund 20 Prozent abgenommen.

Conica setzt immer konsequenter auf Prävention beim Verbrauch natürlicher Ressourcen. Das Unternehmen verbessert seine Umweltleistung sowohl durch Recycling und das Schließen von Materialkreisläufen zur Abfallvermeidung als auch durch die Entwicklung von innovativen Produkten, die zum Beispiel biobasierte Rohstoffe enthalten und eine verlängerte Lebensdauer aufweisen. 60 Prozent des produktionsbezogenen Mülls konnten inzwischen eingespart werden, das Werk in Großbritannien 1 Million Reifen recyceln und das gewonnene Material für die eigene Produktion wieder nutzbar machen. Generell zielt Conica auf die Entwicklung von Produkten, die immer weniger Emissionen erzeugen. Alle Produkte sind PAH-frei, 40 Prozent schon lösungsmittelfrei.

Betriebsleiter Heppa betont, dass insbesondere die Zusammenarbeit mit der EnAW dazu beigetragen hat, den eigenen Betrieb mit ganz anderen Augen zu sehen. Ein Detailbeispiel ist die Abluftanlage eines Lagerhauses, in dem Lösungsmittel gelagert werden. Aufgrund zu hoher Lösungsmittelkonzentration musste das Lagerhaus regelmäßig über ein Zeitschaltprogramm gelüftet werden, wie es die Vorschriften der Feuerpolizei verlangen. Eine neu installierte Abluftanlage hingegen läuft jetzt nur noch, wenn Lösemittelsensoren eine zu hohe Konzentration messen. „Der Effekt war erstaunlich“, so Heppa. „Seit Inbetriebnahme der neuen Anlage Anfang Juni 2017 lief die Abluftanlage kein einziges Mal mehr.“

Sich mit ISO-Zertifikationen selbst Druck gemacht

Julio Fadel vom Marketing resümiert: „Innovative Produkte müssen nicht nur auf dem neuesten Stand der Technik sein, sie sollten auch immer nachhaltiger werden. Als ISO-90001:2015- und ISO-140001:2015-zertifiziertes Unternehmen legt Conica hierauf großen Wert. Wir sind jetzt noch ehrgeiziger geworden und möchten uns von Jahr zu Jahr verbessern. Ein Beleg dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind, ist, dass wir neben den ISO-Zertifikaten auch das Effizienzlabel ´CO2&kWh reduziert` der EnAW sowie das Minergie Eco-Qualitätslabel für Neubauten und modernisierte Altbauten tragen dürfen. Unser Ziel ist es, dass es bei uns keinen Bereich mehr gibt, den wir hinsichtlich Nachhaltigkeit nicht durchleuchtet haben. Es geht immer noch nachhaltiger. Man muss nur offen sein für alles.“

 

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